Der Bauverein Langenfeld ist stolz darauf, dass der Erwerb des ersten Grundstücks eng mit der Entwicklung einer abenteuerlichen Liebesgeschichte verknüpft ist, die bis ins belgische Königshaus führt. Nachfolgend die Geschichte zum Thema Adel, Liebe, Leidenschaft (ein Auszug aus der Festschrift).

IMG 0042 Siedlung Steinrausch 1926

Das Bild zeigt einen Teil des erworbenen Grundstückes "Am Steinrausch" im Jahre 1926 (also 6 Jahre nach Erwerb von den Brüdern von Eppinghoven.

von Wolfgang Paumen im August 2019

Adel ‐ Liebe ‐ Leidenschaft

Hätten Sie gewusst, dass das erste größere Baugrundstück, das der Bauverein zur Linderung der Wohnungsnot in Langenfeld unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg erwarb, mit der Geschichte des belgischen Königshauses verknüpft ist? Nein? – Dann lassen Sie sich überraschen, wie aus dem Zusammenspiel von Adel mit bürgerlicher Liebe sowie einer gehörigen Portion Leidenschaft das erste größere, zusammenhängende Grundstück des Bauvereins entstand.

Es war einmal ein frisch ernannter König aus einem großen, deutschen Fürstenhause derer von Sachsen‐Coburg‐Saalfeld. Aber halt: erzählen wir die Geschichte von Anfang an. ‐

Der Herzog Franz Friedrich von (und zu…) und seine Gattin Auguste hatten einen Sohn, den sie Leopold nannten. Leopold wuchs heran und wurde ein stattlicher Soldat, der sogar eine zeitlang in russischen Diensten stand. Später heiratete er die britische Prinzessin Charlotte Auguste. Die beiden liebten sich sehr, so wurde berichtet. Aber schon nach einem Jahr verstarb Charlotte nach einer missglückten Schwangerschaft. Leopold war nach diesem traurigen Ereignis einige Jahre als Berater am britischen Königshof tätig. Nun begab es sich aber, dass eine kleine Provinz der Niederlande, die später den Namen Belgien bekam, sich von ihrem Mutterland löste und einen König suchte. Erst sollte es eigentlich Louis d’Orleans, der Herzog von Nemours, werden. Das gefiel jedoch der britischen Regierung nicht, die ihren langjährigen, getreuen Berater Leopold für dieses Amt empfahl. So wurde denn im Jahre 1831 der erste belgische König Leopold I ernannt. Da einem König eine Nachkommenschaft gesichert werden muss, ist es dessen Pflicht, Kinder zu haben. Deshalb heiratete Leopold I die Tochter von Louis‐Philippe I, der gerade König der Franzosen geworden war. Lousie d‘Orleans schenkte Leopold I vier Kinder. Während dieser Zeit lernte Leopold, mittlerweile schon 54 Jahre alt, ein junges, bürgerliches Mädchen namens Arcadia Claret kennen und verliebte sich in sie. Nun ziemte es sich nicht, dass ein König eine bürgerliche Liebschaft hat. Das sah Arcadias Vater Major Charles‐Joseph Claret genauso. Deshalb wandte Leopold einen Trick an, um Arcadia vom Elternhaus fort und in seine Nähe zu holen: er verheiratete sie zum Schein mit seinem Stallmeister Ferdinand Meyer. Diese Scheinehe wurde fast 20 Jahre lang aufrecht erhalten. Um Arkadia und die zwei Söhne, die sie ihm schenkte, finanziell und gesellschaftlich abzusichern, schenkte Leopold ihr sehr viel Geld, Landbesitz und sogar einen Adelstitel.

Dieser Titel enthält den Namen eines der geschenkten Landgüter. Fortan durfte Arcadia den Titel Baronesse von Eppinghoven führen. Als Leopold I im Jahre 1865 starb, hatte er dafür gesorgt, dass Arcadia und deren Söhne über ein stattliches Vermögen verfügen konnten. Arcadia verwaltete das erhaltene Vermögen geschickt und vermehrte es durch weitere Zukäufe von Ländereien in Deutschland, insbesondere auch auf dem Gebiet des heutigen Langenfeld. Als Arcadia 1897 starb, hinterließ sie ihren beiden Söhnen, den Baronen Georges und Arthur von Eppinghoven einen immensen Reichtum. Lassen wir den Chronisten1 von Leopold und Arcadia berichten: „Als sie [Arcadia] 1897 starb, teilten Georges und Arthur, was übrig blieb … etwa 1 Million Mark, das ist immerhin eine sehr beachtliche Summe... Aber immer noch nicht genug für sie [Georges und Arthur]. Der Alkohol, die Jagd, das Spiel, die Abwertung der Mark und die katastrophale Bewirtschaftung des von ihrem Vater gebildeten Immobilien Parks werden dazu beitragen, alles während ihrer Lebenszeit zu verschwenden.“

So kam es im Jahre 1920 dazu, dass die beiden Barone dringend Geld benötigten und Teile ihres Grundbesitzes verkaufen mussten. Eines dieser Grundstücke ist das erste Grundstück, das der Bauverein nach seiner Gründung erworben hat. Hier können wir Lothar Müller zu Wort kommen lassen. In seiner für den Bauverein geschriebenen Festschrift zum 75‐jährigen Jubiläum ist zu lesen: „Der erste Schritt ‐ und ganz entscheidend für die weitere Entwicklung des Bauvereins ‐ war der Erwerb des ersten Baugeländes von 113.116 qm Größe für 62.047 Mark aus dem Besitz der Geschwister von Eppinghoven.“

So lässt sich also durchaus sagen, dass der Bauverein dem belgischen König, dessen Liebe und Leidenschaft zu Arkadia von Eppinghoven sein erstes zusammenhängendes Grundstück in dem späteren Hauptbaugebiet verdankt. Merci beaucoup Arcadia et Leopold!

Quellen:
Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_I._(Belgien)
Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Louise_d%E2%80%99Orl%C3%A9ans_(1812%E2%80%931850)
Victor Capron – Artikel der belgischen Zeitschrift „La Libre Match“ vom 6.6.2007