>>Die Genossenschaftsidee ist immaterielles Kulturerbe <<

Hier ist unsere Geschichte:

Quelle: Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum des Bauvereins von Lothar Müller, Langenfeld

Mitbegründer Carl Becker, Fabrikant

Es hört sich alles so einfach an:
Auf einer Bürger-versammlung am 29. Juli 1919 im Saal von Albert Groß in Immigrath wurde nach längerer Aussprache beschlossen, einen Bauverein zu gründen. 78 Bürger trugen sich zum Schluss der Versammlung als Mitglied in die Aufnahmeliste ein. Am 9.8. wurde in das Genossenschaftsregister des Amtsgerichts Opladen unter der Nr. 42 der "Bauverein Langenfeld, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht mit Sitz in Langenfeld/Rheinland" aufgenommen. Damit beginnt die nunmehr langjährige Chronik des Bauvereins, der in dieser Zeit zum Synonym für "sozialen Wohnungsbau" geworden ist. Aber man muss sich in die Zeit hineinversetzen, in die politischen und wirtschaftlichen Umstände, in die die Gründung der Genossenschaft fällt. Erst dann wird die Weitsicht und Kühnheit derjenigen, die wie Wilhelm Bleitner die Initiative zur Gründung ergriffen und sich wie der Fabrikant Carl Becker zum Aufsichtsratsvorsitzenden oder Rektor Peter Schmitz zum Vorstandsvorsitzenden wählen ließen, richtig klar.

Der erste Weltkrieg war noch keine neun Monate zu Ende und verloren, der Kaiser als einer der hauptverantwortlichen für den Krieg hatte abgedankt. In dieser Zeit gründet sich also der Bauverein und läßt ins Genossenschaftsregister eintragen: Der Gegenstand des Unternehmens ist: Minderbemittelten gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten oder angekauften Häusern zu billigen Preisen zu verschaffen und die Bebauung des eigenen Hausplatzes eines Mitglieds, soweit dessen Grundstück an einer ausgebauten Straße liegt.
Das war ein kühnes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass der Wohnungsbau während des Krieges völlig zum Stillstand gekommen war, jedoch viele der 12.982 Ende Dezember 1918 registrierten Einwohner Langenfelds in ärmlichen und beengten Wohnverhältnissen lebten. Und wer hatte nach dem verlorenen Krieg noch Geld und den Mut, neue Bauvorhaben zu planen und durchzuführen? Es fehlte doch an allem: Kapital und persönliche Initiative, Material und Wille zur Investition. Es sind jedoch gerade diese Umstände gewesen, die zu alternativen Überlegungen zwangen, wenn sich das inzwischen eingetretene Wohnungselend nicht auf Jahre und Jahrzehnte hinaus verfestigen sollte.