>>Die Genossenschaftsidee ist immaterielles Kulturerbe <<

Hier ist unsere Geschichte:

Quelle: Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum des Bauvereins von Lothar Müller, Langenfeld

Mitbegründer Carl Becker, Fabrikant

Es hört sich alles so einfach an:
Auf einer Bürger-versammlung am 29. Juli 1919 im Saal von Albert Groß in Immigrath wurde nach längerer Aussprache beschlossen, einen Bauverein zu gründen. 78 Bürger trugen sich zum Schluss der Versammlung als Mitglied in die Aufnahmeliste ein. Am 9.8. wurde in das Genossenschaftsregister des Amtsgerichts Opladen unter der Nr. 42 der "Bauverein Langenfeld, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht mit Sitz in Langenfeld/Rheinland" aufgenommen. Damit beginnt die nunmehr langjährige Chronik des Bauvereins, der in dieser Zeit zum Synonym für "sozialen Wohnungsbau" geworden ist. Aber man muss sich in die Zeit hineinversetzen, in die politischen und wirtschaftlichen Umstände, in die die Gründung der Genossenschaft fällt. Erst dann wird die Weitsicht und Kühnheit derjenigen, die wie Wilhelm Bleitner die Initiative zur Gründung ergriffen und sich wie der Fabrikant Carl Becker zum Aufsichtsratsvorsitzenden oder Rektor Peter Schmitz zum Vorstandsvorsitzenden wählen ließen, richtig klar.

Der erste Weltkrieg war noch keine neun Monate zu Ende und verloren, der Kaiser als einer der hauptverantwortlichen für den Krieg hatte abgedankt. In dieser Zeit gründet sich also der Bauverein und läßt ins Genossenschaftsregister eintragen: Der Gegenstand des Unternehmens ist: Minderbemittelten gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten oder angekauften Häusern zu billigen Preisen zu verschaffen und die Bebauung des eigenen Hausplatzes eines Mitglieds, soweit dessen Grundstück an einer ausgebauten Straße liegt.
Das war ein kühnes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass der Wohnungsbau während des Krieges völlig zum Stillstand gekommen war, jedoch viele der 12.982 Ende Dezember 1918 registrierten Einwohner Langenfelds in ärmlichen und beengten Wohnverhältnissen lebten. Und wer hatte nach dem verlorenen Krieg noch Geld und den Mut, neue Bauvorhaben zu planen und durchzuführen? Es fehlte doch an allem: Kapital und persönliche Initiative, Material und Wille zur Investition. Es sind jedoch gerade diese Umstände gewesen, die zu alternativen Überlegungen zwangen, wenn sich das inzwischen eingetretene Wohnungselend nicht auf Jahre und Jahrzehnte hinaus verfestigen sollte.

 

Aus den Notzeiten hatten die Menschen eines gelernt: Schwierigkeiten lassen sich durch den Zusammenschluss von Gleichbetroffenen eher und besser beseitigen. Beispiele in benachbarten Städten gaben Anlass zu dem Gedanken, sich auch in der Gemeinde Langenfeld zu einer Art Notgemeinschaft mit dem Ziel zusammenzuschließen, größere Bauvorhaben zu realisieren und dadurch die Wohnungsnot zu lindern.
Eine richtige, selbst gestellt Aufgabe - doch was nützt ein Bauverein, dem Land und Geld fehlen?

Die Mitglieder hatten ja oft größte Mühe, ihr Eintrittsgeld von 30 DM und den Genossenschaftsanteil von 400 DM aufzubringen. Unter den Gründern befanden sich jedoch viele Förderer aus Industrie, Handel und Handwerk wie Carl Becker, Firmenchef der Weberei an der Hiterdorfer Straße, die der jungen Genossenschaft weitestgehende Unterstützung zusagten. Und da auch die Gemeinde der Genossenschaft beigetreten war und juristisches Mitglied bis auf den heutigen ist, wurde von ihr ebenfalls Hilfe und Unterstützung erwartet. Die Hoffnung war, wie sich sehr bald herausstellte, durchaus berechtigt.
Der erste Schritt - und ganz entscheidend für die weitere Entwicklung des Bauvereins - war der Erwerb des ersten Baugeländes von 113.116 qm Größe für 62.047 Mark aus dem Besitz der Geschwister von Eppinghoven.

Zwar noch mit Heide und Wald bestanden, doch in günstiger Lage an der Richrather Straße und für die Bebauung ausgezeichnet geeignet. Der qm-Preis von knapp 55 Pfennigen dürfte bei heutigen Bauherrn ein tiefes Seufzen auslösen. Fast gleichzeitig mit dem ersten Landerwerb wurde von der Gemeinde ein Grundstück am Kurfürstenweg, am Rande des heutigen Industriegebietes Langenfeld-Ost, gekauft mit dem Ziel, Einfamilienhäuser für Kriegsbeschädigte zu erstellen.
Wie unbürokratisch damals die Realisierung von Bauvorhaben ging, lässt der Blick auf die zeitliche Folge der ersten Bauvereinsprojekte erkennen.

Der Düsseldorfer Architekt Munzer, mit der Aufstellung geeigneter Bebauungspläne beauftragt, betrieb Planung und Bauvorbereitung so intensiv, dass noch im Jahre 1921 - kaum 4 Monate nach dem Landerwerb - mit dem ersten Teilabschnitt begonnen werden konnte. Damals sah das also so aus:
An der Richrather Straße wurden 10 Häuser mit 22 Wohnungen, an der Langforter Straße 4 Einfamilienhäuser und am Kurfürstenweg 8 Einfamilienhäuser hochgezogen.
Diese ersten, sichtbaren Anfangserfolge wurden jedoch schon bald durch eine ständig anwachsende Geldentwertung, eine galoppierende Infaltion, unterbrochen. So wurden die an der Langforter Straße fertiggestellten 4 Einfamilienhäuser mit geradezu astronomischer Summe von über 400 Billionen Mark abgerechnet

Der Währungsschnitt im Jahre 1924, die Umstellung auf Reichsmark, traf die Genossenschaft und ihre Mitglieder hart. Sie mussten ihre entwerteten Genossenschaftsanteile aufs neue einzahlen, doch wurde er auf 300 RM herabgesetzt. Der Hausbesitz wurde mit Hauszinssteuer-Hypotheken belastet, mit denen der Wohnungsbau wieder angekurbelt werden sollte. Tatsächlich erwies sich dieser Weg als gangbar - die Bautätigkeit kam allmählich wieder in Schwung. Der Bauverein sorgte für weitere Bauvorhaben im Bereich Steinrausch, Richrather Straße, Langforter Straße und Jahnstraße mit 18 Häusern und 48 Wohnungen. Mit der allmählichen Erholung der Wirtschaft stiegen auch der Lebensstandard und damit die Ansprüche an die Wohnungen. So mussten die neuen Wohnungen des Bauvereins bereits besser als die ersten Objekte ausgestattet werden, natürlich mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Baukosten, aber auch auf die Mietpreise. Diesen "gehobenen" Ansprüchen wurden z.B. die um 1930 gebauten Häuser mit 24 Wohnungen im Steinrausch gerecht. Auch der Bau des Jahnhauses fiel in diese Zeit.
Doch schon kündigten sich neue Schwierigkeiten an - eine Weltwirtschaftskrise zog herauf, die - auf Deutschland bezogen - ihren Höhepunkt in sechs Millionen Arbeitslosen fand. Der wirtschaftliche Niedergang brachte auch die Bautätigkeit völlig zum Erliegen. Ungeachtet der Probleme, mit denen der Bauverein von seiner Gründung an zu kämpfen hatte, wurde die Genossenschaft aufgrund ihrer Leistungen im Juli 1932 durch den Regierungspräsidenten als "Gemeinnütziges Wohnungsunternehmen" anerkannt. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden auch die Organe der Genossenschaft gleichgeschaltet, wie aus dem Protokoll vom 9. Juni 1933 hervorgeht: "Zur Wahrung der völkischen Belange und der Übereinstimmung mit den Forderungen der nationalen Regierung macht der Ortsgruppenleiter der N.S.D.A.P. nachstehende Mitglieder der Baugenossenschaft zwecks Gleichstellung namhaft..." An der Spitze des Aufsichtsrats stellte sich der zuvor von den braunen Machthabern berufene Bürgermeister Paul Schreiner selbst. Es vergingen noch Jahre bis die Bautätigkeit wieder begann und als nächstes Bauvorhaben an der Jahnstraße und In den Griesen 20 Häuser mit 40 Wohnungen errichtet wurden. Außerdem kaufte die Genossenschaft von der Gemeinde 25 Häuser mit 50 Wohnungen. Damit war der Wohnungsbestand des Bauvereins auf immerhin stattliche 212 Wohnungen angewachsen.

Die Verwaltung des Eigentums der Genossenschaft ging allmählich über das ehrenamtliche Engagaement der Vorstandsmitglieder hinaus, so dass beschlossen wurde, eine hauptamtliche Kraft einzustellen. Mit der Aufgabe wurde Ferdinand Boes betraut, der im Rathaus an der Düsseldorfer Straße 1 einen Büroraum erhielt.

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs am 01. September 1939 kam die Bautätigkeit erneut zum Erliegen - zum dritten Mal innerhalb von 2 Jahrzehnten seit Bestehen der Genossenschaft, nach Inflation und Weltwirtschaftskrise nun durch den 2. großen Krieg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Platz von Ferdinand Boes blieb ab 1941 verwaist, er wurde eingezogen.

Ein Neuanfang, der Bestand hatte

Als am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation des Hitlerreiches endlich die Waffen schwiegen, regte sich bei aller schrecklichen Bilanz von Millionen Toten, zerstörten Städten, Hunger und Wohnungsnot doch auch sehr bald wieder ein Funke Optimismus, aus den Trümmern, die hinterlassen worden waren, einen neuen Anfang zu finden. Das galt auch für die Genossenschaft, die sich auf die Erfahrung älterer Mitglieder, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen, stützen konnte. Es spricht für den Willen zum Neuanfang, dass bereits Ende Juli 1945 ein neuer Aufsichtsrat vorgeschlagen und auf der Generalversammlung gewählt wurde - mit dem von den Alliierten zum Bürgermeister bestellten Christian Wagner an der Spitze, während Karl Gladbach, der sich Jahrzehnte um die Belange des Bauvereins verdient machte, zum Vorsitz des ersten Vorstands nach dem Kriege wurde, dem außerdem noch Karl Droste und Martin Patten angehörten. Und auch Ferdinand Boes kehrte im August 1945 nach mehr als vierjähriger Abwesenheit an seinen Arbeitsplatz zurück. In einem Zimmer an der Langforter Straße wurde ein Büro und damit die erste Geschäftsstelle der Genossenschaft eingerichtet.

Langenfeld - und damit auch der Bauverein - waren, was die Zerstörung der Stadt angeht, glimpflich davongekommen. Das Eigentum der Genossenschaft - mehr als 200 Wohnungen - war von nennenswerten Kriegsschäden verschont geblieben. Aber auch die Bauverein-Häuser und -Wohnungen wurden, soweit sie unterbelegt waren, nach einer Verordnung erfasst und Wohnungslosen ein Dach über den Kopf zur Verfügung gestellt. Das Zusammenrücken in vielen Wohnungen, die Aufnahme von Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben worden oder ausgebombt waren, gehörtten damals zu den Selbstverständlichkeiten. In dieser Zeit nach dem Kriege stand in der Genossenschaft nicht die Frage nach Neubauten, sondern die Wohnungsbeschaffung im Vordergrund. Eine solche Maßnahme betraf vier Doppelhäuser an der Richrather Straße, die wegen des Krieges nicht nicht über das Kellergeschoss hinausgekommen waren.Die Gemeinde war bereit, ein 55.774 m² großes Grundstück, auf dem die vier angefangenen Häuser standen und das noch viele Baumöglichkeiten bot, an die Genossenschaft zu verkaufen. Das war gleichzeitig der Startschuss im Jahre 1947 für eine bis zum heutigen Tage anhaltende, überlegte Bautätigkeit der Genossenschaft, mit der ganz wesentlich zur Überwindung der Wohnungsnot in Langenfeld beigetragen wurde und - da auch in unserer Zeit die Liste der Wohnungssuchenden lang ist - nach wie vor wird.

Noch bevor die Währungsreform in Kraft trat und damit die Grundvoraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung in der "Bundesrepublik Deutschland", wie sich das neue, demokratische Staatswesen nannte, geschaffen wurde, begann der Aufschwung auf dem Bausektor. Unmittelbar nach dem Kauf an der Richrather Straße stellten die Architekten Rotterdam einen Bebauungsplan dafür auf. Im Frühjahr 1948 wurde mit der ersten Baumaßnahme - acht Häuser mit 56 Wohnungen - begonnen. Das hört sich heute alles so einfach an, aber "Zeitzeugen" berichten davon, dass alle Wirtschaftgüter, darunter natürlich auch Baumaterialien, ebenso wie Lebensmittel nicht im "freien Handel" erhältlich waren, dass es an Handwerkern ebenso wie an Material fehlte. Es war die hohe Zeit der Kompensation: Gibst du mir das, was ich dringend brauche, bekommst du von mir das, was du benötigst - das war die gängige Praxis in jenen ersten Jahren nach dem Krieg. Die Bauleute erhielten zu ihrem Lohn warmes Mittagessen und zusätzlich Lebensmittel, die auf schwierigen Umwegen beschafft wurden. Mit der Einführung der Währungsreform am 20. Juni 1948 hatte diese Zeit ein Ende - das Geld war knapp, aber die neue Währung, unsere D-Mark, dafür stabil. Weitreichende Auswirkungen hatte die Währungsreform natürlich auch für die Genossenschaft, die vor der Frage stand, wie die Geschäftsguthaben der Mitglieder zu bewerten waren. Die Verwaltungsorgane entschieden sich nach langen Überlegungen, die Guthaben im Verhältnis 1:1 umzustellen und den Genossenschaftsanteil von 300 auf 400 DM zu erhöhen.

 

Zählte Langenfeld, am 14. September 1948 mit Stadtrechten ausgerüstet, kurz nach der Währungsreform etwa 575 wohnungssuchende Familien, so wuchs diese Zahl durch den nicht abreißenden Strom von Menschen aus den ehemals deutschen Ostgebieten ständig. Der Wohnungsbau stand deshalb an erster Stelle des wirtschaftlichen Neubeginns. Verschiedene Möglichkeiten wurden mit Erfolg erprobt und eingesetzt:

Ein Hilfswerk für "Wohnen, Bauen und Siedeln"wurde ins Leben gerufen und "Bausteine" verkauft, deren Erlös dem Wohnungsbau zugute kam. Arbeitgeber, aber selbst Mieter boten Darlehen an, die ebenfalls zur Finanzierung von Bauvorhaben beitrugen, und schließlich bewilligte das Land die ersten öffentlichen Mittel in Form von Übergangsdarlehen, so dass dank der vielseitigen Unterstützung kontinuierlich geplant und gebaut werden konnte.

Dabei lagen Planung und Bauleitung stets in den Händen freischaffender Architekten, wobei Prof. Dr. Munzer aus Düsseldorf und das Architekturbüro Heinrich Rotterdam in Langenfeld den maßgeblichsten Anteil hatten. Paul Patten und ­– in jüngster Zeit – Frieder Heinz – haben an diese guten Tradition des Bauvereins angeknüpft.

Zählte Langenfeld, am 14. September 1948 mit Stadtrechten ausgerüstet, kurz nach der Währungsreform etwa 575 wohnungssuchende Familien, so wuchs diese Zahl durch den nicht abreißenden Strom von Menschen aus den ehemals deutschen Ostgebieten ständig. Der Wohnungsbau stand deshalb an erster Stelle des wirtschaftlichen Neubeginns. Verschiedene Möglichkeiten wurden mit Erfolg erprobt und eingesetzt: 

Ein Hilfswerk für "Wohnen, Bauen und Siedeln"wurde ins Leben gerufen und "Bausteine" verkauft, deren Erlös dem Wohnungsbau zugute kam. Arbeitgeber, aber selbst Mieter boten Darlehen an, die ebenfalls zur Finanzierung von Bauvorhaben beitrugen, und schließlich bewilligte das Land die ersten öffentlichen Mittel in Form von Übergangsdarlehen, so dass dank der vielseitigen Unterstützung kontinuierlich geplant und gebaut werden konnte.

Dabei lagen Planung und Bauleitung stets in den Händen freischaffender Architekten, wobei Prof. Dr. Munzer aus Düsseldorf und das Architekturbüro Heinrich Rotterdam in Langenfeld den maßgeblichsten Anteil hatten. Paul Patten und ­– in jüngster Zeit – Frieder Heinz – haben an diese guten Tradition des Bauvereins angeknüpft.

 

Bau-Boom in den 50er Jahren

Er hat stets, vom Tage der Gründung an, die finanziellen Möglichkeiten des Bauens als entscheidendes Kriterium dafür genommen, ob ein Projekt verwirklicht werden kann oder noch einmal zurückgestellt werden muss. Diese Grundhaltung schuf Vertrauen bei den Geldgebern, die deshalb auch stets bereit waren, gelegentliche Engpässe  zu überbrücken. Das gilt für die öffentliche Hand, also Land und Stadt, ebenso wie die Stadt-Sparkasse Langenfeld, die Landesversicherungsanstalt und die Rheinische Girozentrale und Provinzialbank, die die Bauvorhaben der Genossenschaft finanzierten. Aber auch die heimische Industrie und nicht zuletzt die Mitglieder selbst haben durch Darlehen und die Übernahme zusätzlicher Genossenschaftsanteile das Eigenkapital und damit die Finanzkraft der Genossenschaft gestärkt. Die Stadt ist mit 792 Anteilen, die nach der 1993 beschlossenen Erhöhung des Anteils von 600 auf 800 DM einen Wert von 633.000 DM verkörpern, größter Anteilseigner. Aber auch viele Genossenschaftsmitglieder haben durch Ihre Beteiligung einerseits eine eigene Vermögensbildung angestrebt und zugleich das Eigenkapital der Genossenschaft gestärkt.

Ein besonders starker Bau-Boom setzte in den fünfziger Jahren ein. So erstellte der Bauverein 1950/51 zwölf Häuser mit insgesamt 80 Wohnungen an der Langforter Straße und am Martinsplatz, Anfang 1952 befanden sich 16 Häuser mit 100 Wohnungen an der Martinstraße im Bau und wurden Mitte des Jahres bezugsfertig. Weiter waren der Bau von drei Häusern mit 18 Wohnungen in der Nähe des Jahnhauses und von neun Eigenheimen, mit ebenfalls 18 Wohnungen, auf dem Sändchen geplant, wobei der Bauverein als Träger auftrat.

In diesem Stil ging es weiter  - wohnungssuchende Familien erhielten dank der Aktivitäten des Bauvereins ein Dach über den Kopf, ein Zuhause, das bereits höheren Ansprüchen wie Bad und Zentral- oder zumindest Etagenheizung, gerecht wurde.

War durch die Preisentwicklung Mitte der 50er Jahre die Bautätigkeit ein wenig ins Stocken geraten, wich der Preisanstieg bereits 1957 wieder einer gewissen Beruhigung, so dass Geschäftsführer Ferdinand Boes in der Generalversammlung von 1958 neue Vorhaben mit 27 Häusern und 84 Wohnungen bei einem Kostenvolumen von knapp zwei Millionen DM ankündigen konnte. Sie wurden an der Paulstraße, Jahnstraße,        Geschwister-Scholl-Straße und Bahnstraße errichtet. So konnte anlässlich des 40jährigen Bestehens der Genossenschaft im Jahre 1959 eine überaus positive Bilanz bezogen werden, die sich zum Beispiel im  "Kölner Stadtanzeiger" vom 03. Juni so las: ,, Ein ganzes Stadtviertel errichtete der Bauverein Langenfeld in den 40 Jahren seines Bestehens. 145 Häuser mit 725 Wohnungen, 46 Eigenheime, fünf Verkaufsläden, eine Gaststätte  - das Jahnhaus – und 31 Garagen wurden von ihm erstellt".

 

Die Zahl der Mitglieder betrug zum 40jährigen Bestehen 985, die der Genossenschaftsanteil 1926, das Gesamtvermögen wurde mit 7.979 Mio. DM beziffert. Nur zwei Jahre später war die Rede von "überhitzter Konjunktur" auf dem Baumarkt, die auch den Bauverein zu einschneidenden Maßnahmen zwang. Die Preise liefen davon und waren von der Planung über die Bewilligung bis zum Beginn – für diesen Zeitraum musste inzwischen ein Jahr gerechnet werden – längst überholt. Das Risiko ungedeckter Baukosten könne jedoch kein verantwortungsbewusstes Unternehmen tragen, mahnte der Geschäftsführer und setzte sich mit seiner Ansicht durch, zunächst die geplanten Vorhaben zu Ende zu führen, bevor etwas neues angefangen wird. Die begonnenen Vorhaben aus den  beiden vergangenen Jahren bedeuteten einen Kraftakt für die Genossenschaft: Elf Kaufeigenheime an der Geschwister-Scholl-Straße, zehn Kaufeigenheime mit 20 Wohnungen an der Bahnstraße, 27 Kaufeigenheime mit 37 Wohnungen am Kurfürstenweg und zwei Mietshäuser mit 18 Wohnungen an der Richrather Straße. Baureif vorbereitet waren Ende 1960 außerdem 15 Kaufeigenheime am Kurfürstenweg mit 20 Wohnungen.

Als eine weitere kostspielige Aufgabe kam die Kanalisierung, die erst nach dem Kriege begonnen hatte und immer stärker forciert wurde, auf den Bauverein zu. Aber erst 1963 begann die Stadt im Siedlungsgelände der Genossenschaft mit der Schmutz- und Regenwasserkanalisierung. Zwei Jahre später konnte bereits berichtet werden, dass nach der Fertigstellung des zweiten Teilabschnitts nördlich der Paulstraße insgesamt 85 Häuser mit 566 Wohnungen an die öffentliche Kanalisation angeschlossen waren, jedoch noch immer 66 Häuser mit 203 Wohnungen keine Kanalisation hatten. Natürlich musste sich auch der Bauverein mit Anlieger- und Anschlusskosten finanziell erheblich beteiligen. Im Rückblick aber erscheint es kaum fassbar, dass erst vor kaum 30 Jahren Langenfelds bestehende Wohngebiete kanalisiert und damit ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz geleistet wurde.

Die Bautätigkeit kam trotz rasanter Preisentwicklung in den 60er Jahren nie zum Erliegen – eine Feststellung, die auch für den Bauverein gilt, der beispielsweise 1965 zwei Mietshäuser am Anemonenweg und 15 Kaufeigenheime für kinderreiche Familien bezugsfertig errichtete und schon neue Pläne in der Schublade hatte: ein Projekt mit 94 Wohnungen in Immigrath-Süd.

Die Finanzierung dieses Projektes im Bereich Bogenstraße sollte jedoch größere Schwierigkeiten bereiten. Im Jahresbericht 1965 wurde von den  "immer größer werdenden Problemen bei der Kapitalbeschaffung" und davon gesprochen, dass dafür zur Zeit noch wenig Aussicht besteht. "Erhöhte Zinsenund geringerer Auszahlungskurs verteuern die ohnehin schon gestiegenen Baukosten. Die Erzielung tragbarer Mieten ist daher nur mit zusätzlichen zinslosen Förderungsdarlehen möglich, die jetzt schon in Höhe von 15.000 DM gefordert werden müssen", stellte der Bericht des Bauvereins für 1965 fest, um zugleich zum Ausdruck zu bringen:  "Dagegen haben die Nachfragen nach einer Genossenschaftswohnung zugenommen und halten auch weiter an. Um die wohnungssuchenden Mitglieder wohnlich versorgen zu können, müssten uns jährlich mindestens 50 freie Wohnungen zur Verfügung stehen, was auch dem natürlichen Wachstum nach dem vorhandenen Haus- und Wohnungsstand entspräche".

 

Beachtliche Reserve an Grundstücken

Von dem geplanten Bauvorhaben für 94 Wohnungen in Immigrath-Süd abgesehen, verfügte der Bauverein noch über unbebaute Grundstücke für rund 200 Wohnungen. Die Hoffnung jedoch, dass auf diesen Grundstücken in absehbarer Zeit Häuser emporwachsen, war höchst gering: "Die Verhältnisse auf dem Kapitalmarkt sind zur Zeit dermaßen ungünstig, dass mit der Durchführung weiterer größerer Bauvorhaben vorerst nicht zu rechnen ist. So werden die Pausen zwischen den einzelnen Bauvorhaben immer größer und die Hoffnung vieler Anwärter auf eine neue oder größere Wohnung immer kleiner", schloss der Geschäftsbericht 1965.  

Solcher Pessimismus war nicht unbegründet, wie sich bald herausstellte: Das an der Bogenstraße baureif vorbereitete Programm konnte 1966 nicht mehr begonnen werden, die veränderte Situation hatte zur Folge, dass das gesamte Bauvolumen von 94 Wohnungen geteilt werden musste und sich – so die damalige Prognose – nur in drei Teilabschnitten ausführen lassen würde. Aber selbst für die ersten 32 Wohnungen in zwei viergeschossigen Doppelhäusern konnte bis weit in das Jahr 1966 hinein kein Spatenstich getan werden, weil die dringend benötigten Landesmittel zwar mündlich zugesagt, jedoch noch nicht schriftlich bewilligt waren. Schließlich konnte endlich begonnen werden, zum Jahresende 1966 standen die 32 Drei- und Vierzimmer-Wohnungen im Rohbau, im Frühsommer 1967 konnten die ersten Familien einziehen. Es dauerte weitere zwei volle Jahre, bevor anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Baugenossenschaft der 1968 zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden bestimmte Stadtdirektor Josef Wilken ankündigen konnte,"dass weitere 32 Wohnungen an der Bogenstraße noch in diesem Jahr (1969) begonnen werden." Immerhin waren zu diesem Zeitpunkt bereits reichlich vier Jahre ins Land gegangen, seit zum ersten mal von den Plänen, 94 Neubauwohnungen an der Bogenstraße zu errichten, gesprochen worden war.                             

Dennoch rückte Bürgermeister Hans Litterscheid in seinem Grußwort zum 50jährigen Bestehen des Bauvereins dessen Verdienste in einem halben Jahrhundert, das von wirtschaftlichen Krisen, der zwölfjährigen Naziherrschaft mit einem fast sechsjährigen Krieg, den tausend Schwierigkeiten eines demokratischen Neuanfangs und allmählichen wirtschaftlichen Aufschwungs  gekennzeichnet war, ins richtige Licht, als er erklärte:  "50Jahre Bauverein, das sind 50 Jahre Wohnungsfürsorge und 50 Jahre Selbsthilfe. Wenn wir nach dem zweiten Weltkrieg den Bauverein nicht gehabt hätten, so hätten wir ihn gründen müssen, weil wir sonst mit der großen Wohnungsnot nicht fertig geworden wären."

Solchen richtigen, über die täglichen Probleme hinaus gehenden Einschätzung standen immer wieder die Sorgen gegenüber, wie die selbstgestellten Aufgaben, den Mitgliedern des Bauvereins zu einer Wohnung zu verhelfen, deren Miete mit dem Wort "sozial" noch gekoppelt werden durfte, erfüllt werden konnten. "Die Verhältnisse auf dem Bau- und Kapitalmarkt sind so ungünstig, dass zur Zeit an die Planung und Verwirklichung neuer Bauvorhaben vorerst nicht zu denken ist", hieß es ausgerechnet im Bericht über die Tätigkeit der Genossenschaft im Jubiläumsjahr. "Bauen um jeden Preis war nie unsere Lösung, weil am Ende die Miete steht, die für einen Normalverdiener immer noch tragbar sein muss", bekannte der Vorstand 1970.                                                                                         

Zugleich zeichnete sich jedoch ein neuer Trend ab - nämlich zu einer größeren und komfortableren Wohnung. So kam der Modernisierung des vorhandenen Wohnungsbestandes, der Ausstattung mit Zentralheizung – Ende der sechziger Jahre war von Kokerei- auf Erdgas umgestellt worden und damit eine umweltfreundliche Gasversorgung möglich -, der Verbesserung der sanitären Einrichtung in den vor dem zweiten Weltkrieg erbauten Wohnungen immer stärkere Bedeutung zu.

Zweizimmerwohnungen ohne Kochküche konnten Anfang der siebziger Jahre kaum noch vermietet werden, während Drei- und Vierzimmerwohnungen immer begehrter wurden. Deshalb begann die Genossenschaft, kleinere Wohnungen auf einer Etage zusammenzulegen, sie mit Bädern auszustatten und andere Verbesserungen anzubringen. Dafür investierte die Genossenschaft 1969 immerhin fast 80.000 DM. Und auch der Bau von Garagen wurde immer dringender, da die Motorisierung rasch voranging. So verfügt der Bauverein bereits Ende 1970 neben 158 Wohngebäuden mit 819 Wohnungen auch über 21 Garagen mit 134 Einstellplätzen. Und im gleichen Jahr stellten 64 Bauvereins-Mieter von Ofenheizung auf Gas oder Nachtstromspeicher um, mussten sich an den Kosten jedoch auch selbst beteiligen.

Ein ganz wichtiger Schritt zur besseren finanziellen Ausstattung der Genossenschaft war der nahezu einstimmige Beschluss der Mitgliederversammlung 1972, die Geschäftsanteile von 400 auf 600 DM zu erhöhen. "Die etwa 300 Mitglieder im vollbesetzten Saal des Jahnhauses hörten sich die Argumente von Stadtdirektor Josef Wilken als Aufsichtsratsvorsitzender und des Vorsitzenden des Vorstandes, Karl Gladbach, sehr aufmerksam an, sahen jedoch ganz augenscheinlich die Notwendigkeit ein, das Kapital der Genossenschaft aufzustocken", so berichteten die "Düsseldorfer Nachrichten" und rechneten vor, dass bei rund 3600 Anteilen der Mitglieder und der Stadt rund 700.000 DM mehr in der Bauvereinskasse zu erwarten sind. Wichtigstes Argument von Josef Wilken war, das mehr Eigenkapital notwendig sei, um auch künftig Neubauvorhaben in Angriff nehmen zu können. "Wenn der Bauverein nicht mindestens 15 Prozent Eigenmittel aufbringt, werden seine Bauvorhaben vom Land nicht als förderungswürdig anerkannt und keine Landeszuschüsse genehmigt", legte Wilken den Mitgliedern dar. Wie groß vor gut 20 Jahren der Wohnungsbedarf noch immer war, ging allein daraus hervor, dass beim Bauverein 160 Anträge von Wohnungssuchenden vorlagen und 26 Mitglieder ihre vorhandene gegen eine größere Wohnung tauschen wollten. Daraus aber ergab sich die Notwendigkeit, weitere Projekte zu planen, und der Abschluss von Bausparverträgen in einer Höhe von 500.000 DM ließ den Willen des Vorstandes in diese Richtung ganz klar erkennen, auch wenn noch kein genauer Termin genannt werden konnte.                                                                                                

Es folgten einige Jahre der "Bauruhe", in denen die Genossenschaft allerdings durchaus nicht untätig war. Die Renovierung und Verbesserung des vorhandenen Wohnungsbestandes, der den Wünschen der Mieter nach moderner und höherwertiger Ausstattung entsprach, hatte im ersten Teil der siebziger Jahre im Vordergrund gestanden. Aber bereits 1974 war zum ersten mal im Geschäftsbericht ein Bebauungsplan für das Siedlungsgelände In den Griesen und Paulstraße erwähnt worden, dessen ganze Tragweite sich am besten in die Schlagworte "Bauverein 2000" kleiden lässt und dessen Pläne sich erst zwei Jahrzehnte nach den ersten Ideen tatsächlich zu verwirklichen beginnen, ohne vor allem dem Bau des Hochhauses an der Martinstraße auszuklammern. Auf der Generalversammlung 1976 wurde berichtet, der Bebauungsplan sei 1975 von der Stadt genehmigt worden und liege nun dem Regierungspräsidenten vor.                                              

"Inzwischen wurde ein beschränkter Architektenwettbewerb ausgeschrieben, um dadurch einen guten Bebauungsplan zu erhalten. Es sind vorerst drei Punkthäuser, siebengeschossig, zwischen Jahn-, Paul-, Martinstraße und Steinrausch geplant, die in ein bis drei Bauabschnitten errichtet werden sollen. Falls die schwierige Finanzierungsfrage zufriedenstellend gelöst werden kann, hofft der Vorstand, dass die Bautätigkeit bis zum Anfang 1977 wieder aufgenommen werden kann", so der Bericht.                                                                                                                                                                             

Als Endausbaustufe waren in dem Bebauungsplan zwischen den Straßen In den Griesen und Paulstraße, Jahnstraße und Richrather Straße 279 Wohnungseinheiten in 23 drei- bis sechsgeschossigen Häusern sowie 330 Garagen und Einstellplätze, zum Teil unterirdisch angelegt, vorgesehen. Tatsächlich wurde ein ansehnlicher Mosaikstein dieses Zukunftsplanes Ende der 70er Jahre verwirklicht. Der Bau eines siebengeschossigen Wohnhauses mit 21 Wohneinheiten war 1979 bezugsfertig; hinzu kamen 15 wirtschaftlich vom Bauverein betreute Reihen-Eigenheime für kinderreiche Familien städtische Bedienstete. Der Bauverein wäre in der Lage, an der Martinstraße zwei weitere Häuser mit jeweils 21 Wohnungen zu bauen, doch ist noch nicht abzusehen, wann diese Projekte verwirklicht werden, kam in dem Bericht an die Generalversammlung 1980 zum Ausdruck. Jenes siebengeschossige Haus an der Martinstraße 40 ist bis heute das höchste Bauwerk der Genossenschaft geblieben. In der städtebaulichen Entwicklung haben sich andere Tendenzen vollzogen – damals existierte auch noch ein Bebauungsplan Stadtzentrum mit achtgeschossigen Häusern, der (erfreulicherweise) längst zu den Akten gelegt worden ist.                                                      

"Höhere Mieten machen Neubauten unmöglich", lautet die Schlagzeile der "Westdeutschen Zeitung" von der Mitgliederversammlung 1986. Es hatte einen jahrelangen Stillstand im Neubau gegeben, und auch " für eine weitere Neubautätigkeit konnte der Vorstand der Mitgliederversammlung keine positive Entscheidung vorlegen, obwohl der Bauverein über eine große Grundstücksreserve verfügt".

Erst ein Jahr später zeigte sich wieder ein Silberstreif am Horizont:   Der Bauverein plante, im rückwertigen Gelände zwischen Langforter Straße und In den Griesen, 20 Reiheneigenheime als Doppelhäuser zu errichten. Architekt Willi Silberhorn erhielt bei einem Wettbewerb, der von der Genossenschaft ausgeschrieben war, den ersten Preis und damit den Auftrag, dieses kleine aber feine und zentrumsnahe Siedlung zu bauen. Das Richtfest wurde bereits im Mai 1989 gefeiert, die 20 Eigenheime gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

"In einer Zeit, da dringend Wohnungen für junge Familien und Aussiedler gebraucht werden, muss sich die Genossenschaft intensiv um die wieder aufgenommene Neubautätigkeit kümmern" - so begann der Vorstandsbericht zur 71. Mitgliederversammlung im Juni 1989. Mit dem Bau der Eigenheime und der Erschließung des Baugebietes Am alten Gaswerk und von 16 Mietwohnungen an der Martinstraße war ein erster Schritt in diese Richtung getan worden. Das noch einiges mehr möglich sein würde, ließ sich allein daran erkennen, dass die Genossenschaft noch 23.000 qm baufreie Grundstücke im Besitz hatte – die seit vielen Jahren betriebene "Vorratshaltung" erwies sich wieder einmal als weitblickend. Der Wunsch nach einer Wohnung des Bauvereins wurde auch in dem Zugang von 105 neuen Mitgliedern der Genossenschaft innerhalb eines Jahres (1988) deutlich.
Der Trend setzte sich Anfang der 90er Jahre fort: Im Geschäftsbericht der 75. Mitgliederversammlung 1993 wurde von 134 Neuzugängen berichtet, denen 55 Abgänge gegenüberstanden. Und auf der Versammlung wurde mit großer Mehrheit dem Vorschlag des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Siegfried Honert zugestimmt, den Genossenschaftsanteil von 600 DM auf 800 DM zu erhöhen – ein Schritt, der genau wie 20 Jahre zuvor bei der Erhöhung von 400 auf 600 DM damit begründet wurde, dass eine bessere Kapitalausstattung der Genossenschaft notwendig sei, um weitere, dringend notwendige Bauvorhaben finanzieren zu können. Bei rund 4200 Genossenschaftsanteilen konnte die Kapitaldecke des Bauverein um 840.000 DM verstärkt werden. Kein Zweifel, dass in dieser Zeit rapide gestiegener Baupreise das eigene Kapital eine wichtige Rolle spielt – noch dazu, da sich im Jubiläumsjahr 1994 klar abzeichnet: Der Bauverein hat bis ins nächste Jahrtausend noch viel vor.

 

300 neue Wohnungen bis ins nächste Jahrtausend  

- Aus einem eindrucksvollen Modell wird allmählich Wirklichkeit -                                                                                              

Als im Juni 1992 im Rathaus von Stadtbaurat Heinz-Gerd Karhausen und Architekt Frieder Heinz das Modell für den Bau von 300 Sozialwohnungen auf den Grundstücken des Bauvereins zwischen Richrather Straße, Paulstraße, Jahnstraße und Steinrausch vorgestellt wurde, waren sich Experten und Laien einig: ein höchst gelungenes Konzept, dessen Verwirklichung bis ins nächste Jahrtausend reichen wird. Geistiger Urheber dieses Konzeptes ist der Solinger Architekt Frieder Heinz, einer der vier Architekten, die sich an dem vom Land geforderten Gutachterverfahren beteiligt hatten. Ein solches Verfahren in Form eines städtebaulichen Wettbewerbs war auf Verlangen des Landes in die Wege geleitet worden. Das Land hatte Zuschussanträge für ein Bauvereinsprojekt mit 32 Wohnungen an der Martinstraße mit dem Hinweis auf die bindende Vorschrift, bei solchen Größenordnungen einen städtebaulichen Wettbewerb auszuschreiben, abgelehnt. Diese Entscheidung fand angesichts der vielen Wohnungssuchenden – nicht zuletzt derjenigen, die Anspruch auf eine Sozialwohnung haben und Mitglieder des Bauvereins sind – in verschiedenen Gremien des Rates, in Versammlungen des Bauvereins und in der hiesigen Presse zum Teil sehr herbe Kritik. Wird jedoch heute mit einem gewissen Abstand geurteilt, dann hat sich das Verlangen, mehrere Architekten zur Teilnahme an einem städtebaulichen Wettbewerb aufzufordern, als richtig und zukunftsweisend herausgestellt.

Nun ging es nicht mehr um 32 Wohnungen, sondern um eine weitreichende bauliche Perspektive für die Genossenschaft und zugleich um einen ganz wesentlichen Beitrag, in den nächsten Jahren erschwingliche Sozialwohnungen zu bauen – in einem riesigen Areal, das sich bis auf den letzten Quadratmeter im Besitz des Bauvereins befindet. Hier liegt auch ein hoher Prozentsatz des gesamten Wohnungsbestandes der Genossenschaft, zum Teil jedoch schon so alt und unter Bedingungen vor 50 und mehreren Jahren gebaut, dass der Abriss und Neubau als die beste Lösung erscheint und auch behutsam so vorgesehen ist – allerdings nicht in den ersten Stufen des Realisierungsplanes.

"Hochwertiger Geschosswohnungsbau in einem kompakten, zentrumsnahen Wohngebiet" – so skizzierte der Gewinner des Gutachterverfahrens das Modell an der Martinstraße 41, das dreigeschossige Wohnbebauung vorsieht, mit zwei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss, in dem durch ein Pultdach und eine vorgelegte Dachterrasse Wohnungen mit Penthouse-Charakter entstehen.

Ideenreich und schön gestaltete Innenhöfe, viel Grün zwischen den Häusern – wie überhaupt das ganze Bauvereinsgebiet an dieser Stelle schon immer von großzügigen Grünanlagen geprägt war – machen die Neubauten attraktiv.

Viele der 300 in dem Modell geplanten Wohnungen könnten ohne Eingriff in die vorhandene Bausubstanz errichtet werden. Bei den übrigen 180 Einheiten aber müssen vor allem an der Richrather Straße und Jahnstraße auch einige alte Bauvereinshäuser abgerissen werden, um für Neues Platz zu schaffen. Dipl.-Architekt Frieder Heinz (44) realisierte sein erstes Bauvorhaben in Langenfeld mit den Geschäftshäusern am Marktplatz 14-20, gegenüber dem Sportgeschäft Peters und der Buchhandlung von Bukowski. Zu seinen eindrucksvollen Leistungen in Langefeld gehörte danach die von Grund auf erforderliche Sanierung von Haus Arndt und der "Casa Piccola" in dem alten bergischen Fachwerkstil. Heinz hatte in vergangenen Jahren den städtebaulichen Wettbewerb für das Brucherfeld in Leichlingen gewonnen, erhielt Aufträge der Stadt Solingen seit 1981 für eine Bausumme von mehr als 50 Mio DM und errichtete eine große Schule in Mönchengladbach.

 

Über 10 Mio DM Fördermittel

Seit den 50er Jahren wird der soziale Wohnungsbau von Bund, Ländern und Gemeinden gefördert. Ohne diese Zuschüsse wäre es auch dem Bauverein wesentlich schwerer, ja, in den meisten Fällen sogar unmöglich gewesen, Wohnungen zu Mietpreisen, die der Normalverdiener aufbringen kann, zu bauen. Die nachstehende Aufstellung nennt 15 Bauvereins-Projekte, die mit Mitteln der öffentlichen Hand gefördert wurden.

 

1952:

36 WE Martinstraße

DM     82.560

 

1953:

18 WE In den Griesen

DM     26.500

 

1954: bis 56:

96 WE Jahnstraße

DM   454.000

 

1956:

24 WE Querstraße

DM   159.000

 

1957:

  5 WE Langforter Straße

DM     42.500

 

1958:

18 WE Paulstraße

DM   172.000

 

1964:

24 WE Herderstraße

DM   206.000

 

1965:

  4 WE Anemonenweg

DM   219.116

 

1968:

32 WE Bogenstraße

DM   384.000

 

1970:

32 WE Bogenstraße

DM   489.000

 

1983:

16 WE Martinstraße

DM 1.181.900

 

1989:

10 WE Martinstraße

DM 1.169.900

 

1994:

61 WE Paulstraße/Martinstraße

DM 5.237.332

 

1994/95:

21 WE Opladener Straße

DM 1.346.084

 

1994/95:

21 WE Gieslenberger Straße

DM 1.346.084

 

 

(WE=Wohneinheiten)

Damit erhielt der Bauverein insgesamt rund 10.5 Mio DM öffentlicher Mittel für die Förderung des Wohnungsbaues. Beim Architekten-Wettbewerb um den Bau der Gesamtschule Langenfeld-Hilden belegte Heinz den zweiten Platz.                                                                                                                                                                

"Der Aufforderung, am Wettbewerb für den Bauverein teilzunehmen, bin ich sehr gern nachgekommen, weil sich hier die Chance bietet, über einen längeren Zeitraum hinweg zukunftsorientiertes Bauen zu demonstrieren", sagte Frieder Heinz und lieferte die Erklärung was darunter zu verstehen ist, gleich mit: "Die bauökologischen Überlegungen bekommen immer mehr Vorrang, ganz besonders dann, wenn ein gewisser alter Wohnungsbestand durch neue Bauten ersetzt werden muss.

Ökologisches Bauen – das bedeutet weniger Energieverbrauch, die Suche nach der geringstnötigen Heizenergie, weil wir alle einen Beitrag zur Reduzierung der CO2 - Werte leisten müssen. Beim Neubau Martinstraße sind die Hauptfensterflächen nach Süden und Westen gerichtet, sollen großflächige Verglasungen in den Dachgeschossen eine passive Nutzung der Sonnenenergie mit bewirken".
Allein die Überlegung, die Wohngebäude in Nord-Süd-Richtung, und  nicht mehr, wie bisher, vorwiegend in Ost-West-Richtung zu bauen, kann einen energiesparenden Effekt hervorbringen. Frieder Heinz macht das so klar:"Nach Süden liegen Wohn-und Kinderzimmer mit großflächigen Fenstern, während die Nordfenster klein gehalten werden. Durch Versuchsbauten ist dabei ein erheblicher Energiespareffekt ermittelt worden".                                                                                            

Als einen weiteren wichtigen Punkt in Bezug auf ökologisches Bauen betrachtet der ideenreiche Architekt die Einfügung der Häuser in die Landschaft, zum Beispiel durch Dach- und Fassadenbegrünung. Und die Balkone seiner Häuser bekommen Gerüste für Rankpflanzen, die im Sommer, wenn es warm wird, Schatten spenden, im Herbst und Winter jedoch, wen die Pflanzen entlaubt sind, Sonne hereinlassen. "In drei bis vier Jahren haben sich prächtige Ranken entwickelt", meint Frieder Heinz, weiß jedoch auch, dass es da bei dem einen oder anderen Mieter einer solchen Neuwohnung Überzeugungsarbeit zu leisten gilt: "Ein solches System wird bisher nicht immer akzeptiert, vor allem wegen des Laubfegens im Herbst".                                                                                                                      

Er betrachtet das gesamte Areal des Bauvereins als ein "hervorragendes Potential " mit wertvollen und ergiebigen Grünflächen und glaubt der Realisierung der insgesamt 300 Wohneinheiten "so gut wie keine bestehende Bausubstanz" wegnehmen zu müssen. Der nächste Schritt zur Verwirklichung des Planes bis ins nächste Jahrtausend wird der Bau von 27 Wohneinheiten gegenüber dem Hochhaus an der Martinstraße sein. In Schritten von jährlich etwa 30 Wohneinheiten soll das im Rathaus stehende Modell des Gewinners des städtebaulichen Wettbewerbs Zug um Zug Wirklichkeit werden.

Lothar Müller

 

Das Jahnhaus – vom Vereinsheim zum Spezialitäten-Restaurant

"Der verflossene Sonntag war für unsere Gemeinde auf dem Gebiet jugendpflegerischer Erziehung und Betätigung ein Tag von besonderer Bedeutung. Das Gemeindejugendheim, das Jahnhaus, wurde seiner Bestimmung übergeben".                                                                                                                     

Diese Sätze finden sich im "General-Anzeiger" vom 24. März 1930 und markieren ein wichtiges Ereignis für den Bauverein wie für den Langenfelder Sport, zu dessen Aushängeschildern der VfB 06 zählte. Dabei war das Jahnhaus in seiner Planung und Konzeption in der Öffentlichkeit durchaus umstritten. Ursprünglich war es als einfaches Mietshaus der Siedlung "Steinrausch" gedacht, in dem jedoch für die auf dem gegenüberliegenden Sportplatz aktiven Fußballer eine einfache Umkleide- und Waschgelegenheit geschaffen werden sollte, die dem VfB – gerade in die Kölner Bezirksliga aufgestiegen – an Ort und Stelle fehlte. Die Pläne wurde jedoch später baulich und inhaltlich geändert und beschlossen, das Gebäude vorwiegend für Zwecke der Jugendpflege einzurichten. So erhielt das Erdgeschoss eine geräumige, säulenlose Gaststube und ein kleines Vereinszimmer für die Sportvereine. Die vorgebaute Terrasse gestattete einen umfassenden Blick auf den "Gemeindesportplatz", wie der Jahnplatz damals hieß. Für die Sportler wurden im Erdgeschoss und im Keller je zwei Räume mit Waschbecken, Fußbecken, Massagetischen (!) und Schränken, ferner je ein Raum mit sechs Brausen und Toilettenräumen errichtet. Außerdem wurden den Sportlern für ihre Geräte fünf verschließbare Räume zur Verfügung gestellt – ein für damalige Verhältnisse höchst großzügiges Angebot an den VfB und andere Vereine, die den Gemeindesportplatz mit in Anspruch nahmen.

Es wurde durchaus modern gebaut: Alle Räume waren mit Zentralheizung, fließendem kalten und warmen Wasser versehen. Im ersten Geschoss und im Dachgeschoss befanden sich vier Wohnungen für kinderreiche Familien mit je zwei Fünf- und Vierzimmerwohnungen, die sämtliche Badeeinrichtungen enthielten. "Die Einrichtungen des Jahnhauses kommen den Wünschen der Langenfelder Sportler in hohem Maß entgegen. Die Gemeinde wäre sonst gezwungen gewesen, für die Sportler am Gemeindesportplatz Umkleide- und Waschräume zu schaffen, was mit dem Zuschuss von 10.000,- DM, die die Gemeinde zum Jahnhaus hinzugab, kaum möglich gewesen sein durfte", schilderte der "Stadtanzeiger" vom 17. Oktober 1929.

Für den Bauverein stand natürlich die Frage im Vordergrund, wie das Jahnhaus rentabel zu führen sein könnte. Nahe lag dabei die Überlegung, die Gast- und Vereinsräume zu einem Restaurationsbetrieb zu gestalten – ein Vorhaben, das schließlich verwirklicht wurde. Dagegen wurde der Plan, eine Bäckerei im Keller des Jahnhauses unterzubringen, nicht zuletzt auf Intervention des Langenfelder Handwerks verworfen: Die Zahl der Geschäfte sei bereits groß genug.

Die Chronik von der Einweihung des Jahnhauses Ende März 1930 vermerkt einen 5:2 Sieg des VfB gegen Union Köln und den Dank der "aktiven Sportler" durch Hans Strohn. Rektor Schmitz als Vorsitzender des Bauvereins, zusammen mit Carl Becker als Aufsichtsratsvorsitzender Initiator des Jahnhauses, sprach von den Möglichkeiten, nun auch der "jugendpflegerischen Betätigung" gerecht zu werden, und diesen Gedanken betonte auch Bürgermeister Kreusch: Auf dem Gebiet der Jugendpflege sei die Gemeinde mit der Einweihung des Jahnhauses wieder ein gutes Stück vorangekommen.

"Nach der Freigabe war der geschmackvolle eingerichtete Restaurationsraum stark besucht. Er wird auch weiterhin zu einer gemütlichen Kaffeestunde seine Anziehungskraft erweisen", prophezeite der " General-Anzeiger" und lag damit goldrichtig, wie die Geschichte des Jahnhauses beweist, dass 30 Jahre später einen Saalanbau und damit für viele Jahre eine beliebte und oft genutzte Stätte zu Versammlungen und Feiern erhielt.

Als die ersten Überlegungen zu dem Saalbau die Öffentlichkeit und damit natürlich auch Rat und Verwaltung erreichten, war es nicht anders als heute, wenn solche Pläne geboren werden: Die Notwendigkeit wurde nicht bestritten, aber die Möglichkeiten städtischer Unterstützung weit von sich gewiesen: "Vollkommen unmöglich", ließ Stadtdirektor Hans Koch wissen und die NRZ vom   22. Februar 1958 vermutete: "Und das dürfte auch die Meinung mindestens der Mehrheit aller Ratsmitglieder sein. Wir sind gespannt, was der Aufsichtsrat des Bauvereins dazu sagen wird".

Für die Errichtung eines Saalbaues sprach der Bedarf. Auch die neue Stadthalle – die alte Wilhelmshalle war im August 1957 abgebrochen und mit dem Bau der Stadthalle, die am 11. Oktober 1959 eingeweiht wurde, begonnen worden – könnte einen Gesellschaftssaal mittlerer Größe nicht ersetzen. Außerdem besaß Langenfeld damals keine Konferenz – oder Tagungsstätte, uns selbst für die Generalversammlung der Genossenschaft gab es keinen Raum, der die Mitglieder hätte aufnehmen können.

Was dagegen sprach, könnte auch heute geschrieben sein: " Die Stadt – und sie soll um Unterstützung bei der Finanzierung angegangen werden! – hat im Augenblick denn doch erhebliche Sorgen anderer Natur, um sich einem weiteren Saalbau widmen zu können. Schon das Stadthallenprojekt ging unter Begleitung von mancherlei Stoßseufzern durch den Rat: Aber Geld in zweite Halle stecken? In 20 Jahren vielleicht, wenn Straßen, Schulen, Kanalisationen in großen Zügen stehen. Jetzt darf der Rat städtische Mittel nicht in ein zweites Hallenprojekt stecken, will er sich nicht den Vorwurf aussetzen, die Einnahmen der Stadt sinnlos zu zersplittern", meinte die NRZ.

Der Bauverein ließ sich nicht beirren: Ob mit oder ohne städtische Zuschüsse, der Anbau war beschlossene Sache und höchst notwendig obendrein. So wurde im Frühjahr 1958 ein Bauantrag gestellt, den der damalige Stadtbaurat Wilhelm Würz mit Datum vom  15. Juni des gleichen Jahres und gegen eine Gebühr "für diesen Bauschein einschließlich einmaliger Rohbau- und einmaliger Gebrauchsabnahme von 165 DM" genehmigte.

Auch das Gewerbeaufsichtsamt Solingen, dem die Pläne vorgelegt werden mussten, gab seine Einwilligung nach der Baubeschreibung, in der es unter anderem hieß:                                                              

"Das bestehende Jahnhaus soll in nördlicher Richtung einen eingeschossigen Erweiterungsbau erhalten, in dem im Erdgeschoss ein Saal für Restaurationsbetrieb und geschlossene Veranstaltungen (ca. 300 Personen), im Keller die Garderoben und Toiletten sowie Lagerräume vorgesehen sind. Der lange Lagerraum soll einem eventuellen späteren Ausbau als Kegelbahn vorbehalten bleiben. Der Saal im Erdgeschoß erhält zur Unterteilung bei kleineren Veranstaltungen eine Harmonikatür."

Nachdem die baurechtlichen Hürden genommen waren, ging alles sehr schnell, wie die Akten belegen: Bereits am 15. Januar 1959 erhielt der Bauverein den Gebrauchsabnahmeschein, und damit war der Weg frei für die Einweihung des Saals, den alle größeren Vereine Langenfelds für ihre Feiern und Veranstaltungen nutzen. Ob die Generalversammlungen der Genossenschaft selbst, ob die die Mitgliederversammlung des VfB Langenfeld, ob Probenabende der Gesangsvereine, ob die ersten "Taufen" neuer Mitglieder der Prinzengarde beim Ball intern, ob "Hochzeiten" oder Jubiläen – der neue Saal am Jahnhaus war ständig belegt, ein Beweis dafür, wie dringend der Bedarf dafür war. Das Bild hat sich in den letzten Jahren gewandelt, nachdem der Bauverein Anfand der achtziger Jahre einen Erbpachtvertag mit einer großen Brauerei abgeschlossen hat, die ihrerseits den gesamten Jahnhauskomplex verpachtet. So hat ich das gute alte Jahnhaus in der jüngsten Zeit zu einem Spezialitäten-Restaurant vornehmlich der griechischen Küche entwickelt, und seit einigen Monaten wird dieser Tatsache in die weithin sichtbar Ausdruck dadurch verliehen, dass auf weißen Kalksandsteingemäuer fast lebensgroße Gestalten der griechischen Mythologie stehen. Vom Vereinsheim zum griechischen Küchentempel – wechselvoller könnte die 65jährige Geschichte des Jahnhauses kaum sein.

 

"Zwecks Erbauung schöner Einfamilienhäuser"

In seinem tausendseitigen Werk über die "Stadtgeschichte Langenfeld", erschienen 1992 im Verlag Stadtarchiv Langenfeld", schreibt Autor Rolf Müller über die Chronik des Wohnungsbaues kurz nach der Jahrhundertwende unter oben zitierter Überschrift:                                                                                                       

Eine völlig andere, aber für jene Jahre nicht minder charakteristische Zielsetzung hatten natürlich Vereine und Vereinigungen im Bereich des Wohnungsbaues. Einleitend muss hier in erster Linie wieder einmal die richtungsweisende Bodenpolitik des Bürgermeisters Felix Metzmacher erwähnt werden, die ja darauf angelegt war, Bodenspekulationen möglichst zu verhindern und Land für Zwecke des Wohnungsbaues bereitzuhalten. Unabhängig davon versuchten zur gleichen Zeit auch Wirtschaftskreise und private Bauwillige, die sich genossenschaftlich zusammengeschlossen, Wohnraum zu schaffen. Im August 1907 eröffnete in Langenfeld, Bahnstraße, gegenüber der Post, unter dem Namen Allgemeine Baugesellschaft Comm. Ges. Hermann & Co ein Unternehmen, welches den Bau von einfachen bürgerlichen wie besseren Wohnhäusern bezweckte, auch mit dem Ziel," die Erwerbung eines eigenen Heims außerordentlich zu erleichtern…"                                                 

Mit Förderung der heimischen Industrie wurde im gleichen Jahr (1907) die "Gemeinnützige Baugesellschaft Immigrath Aktien- Gesellschaft" mit einem Stammkapital von 100.000 Mark gegründet, um für "die Arbeiter gesunde und billige Wohnungen zu schaffen". Diese Gesellschaft, die "in der Hauptsache der Beteiligung der vier Werke Kronprinz, Tellering, Neumann & Büren und Brünninghaus Söhne ihr Entstehen verdankt", so der General-Anzeiger, "wird Ende Sommer dieses Jahres (1908) schon mehrere Bauten fertiggestellt haben: ein Ledigenheim, ein  Drei-Familienhaus und zwei Arbeiter-Doppelhäuser… Das Ledigenheim soll dazu dienen, unverheirateten, jungen Leuten für billiges Geld sauberes Logis und gute Kost zu bieten, während in den übrigen Bauten die Arbeiter in jeder Hinsicht neuzeitig eingerichtete Wohnungen haben können. Da die Anteile der Aktien-Gesellschaft nur 200 DM betragen, ist es auch den Minderbemittelten möglich, der Gesellschaft beizutreten. Jedenfalls zeugt das Vorgehen der vier Werke von einem hohen sozialen Verständnis…".                                                                                                                   

"Zwecks Erbauung schöner Einfamilienhäuser" bildete sich in Richrath-Langenfeld ebenfalls im Jahr 1907 auf genossenschaftlicher Grundlage ein "Gemeinnütziger Bauverein". Dieser kaufte schon im Gründungsjahr "ein größeres Areal in der Hardt" und begann sofort mit dem Bau "billiger und gesunder Arbeiterwohnungen". Der Plan, die "malerisch schön projektierte Häusergruppe näher an das Zentrum unseres Ortes zu bringen, scheiterte an den zu hohen Forderungen einiger Grundstücksbesitzer…".

Der Genossenschaftsgedanke bewährte sich und setzte sich - in neuer Form – durch. "Der erste Weltkrieg war zu Ende. Im ganzen Lande und in allen Lebensbereichen herrschte Not und Elend. Nur schrittweise vollzog sich die Umstellung von der Kriegs auf – die Friedensproduktion. Die Verwaltung im Staat und in den Gemeinden begann sich nach anfänglichen Schwierigkeiten unter Aufsicht der Besatzungsmächte nur zögernd zu normalisieren. Die Geldinstitute begannen ihre Tätigkeit auf schwankendem Grund: Die Währung begann ihre Stabilität zu verlieren…. Der Wohnungsbau hatte während des Krieges völlig darniedergelegen. Wer hatte nach dem verlorenen Krieg noch Mut und Geld, neue Bauvorhaben zu planen, geschweige denn durchzuführen…? Die Wohnungsnot wurde zum Wohnungselend. Familien mussten in räumlich unzureichenden Wohnungen zusammenrücken, um den zurückgekehrten und den neugegründeten Familien ein Obdach zu gewähren".

So beschrieb der Chronist des Bauvereins Langenfeld die Zeitverhältnisse und fuhr fort: "Doch eines hatten man aus der Notzeit gelernt, nämlich dass sich Schwierigkeiten durch Zusammenschluss von Gleichbetroffenen viel eher beseitigen lassen. Beispiele und Vorbilder in benachbarten Städten gaben Anlass zu dem Gedanken, sich auch in unserer Gemeinde zu einer Art Notgemeinschaft zusammenzuschließen mit dem Ziel, größere Bauvorhaben zu erstellen und dadurch die Wohnungsnot zu lindern. Um diesen Gedanken in die Tat umzusetzen, wurde durch den Initiator Wilhelm Bleitner zu einer Bürgerversammlung auf den 29. Juli 1919 im Saal Albert Groß in Immigrath aufgerufen. Auf dieser Versammlung erfolgte die Gründung des ,,Bauverein Langenfeld eG m.b.H. wie auch die Wahl des fabrikanten Carl Becker zum ersten Aufsichtsratsvorsitzenden und des Rektors Peter Schmitz zum ersten Vorstandsvorsitzenden".

Der Bauverein sieht optimistisch in die Zukunft
Eine wirtschaftlich gesunde Selbsthilfe- und Solidargemeinschaft

Unsere Genossenschaft hat sich in den 75 Jahren ihres Bestehens stets als eine Selbsthilfe- und Solidargemeinschaft verstanden, die die Probleme allen Schwierigkeiten zum Trotz immer wieder gemeinsam angegangen und bewältigt hat. In welchem Maße sich der Bauverein bemüht hat, die Bautätigkeit ungeachtet aller Schwierigkeiten nie zum Erliegen kommen zu lassen, können die letzten 25 Jahre besonders gut veranschaulichen, wie an den vielen folgenden Beispielen belegt wird.
Zwischen 1966 und 1970 konnte die Bautätigkeit unvermindert fortgesetzt werden, obgleich jetzt eindeutig der Mietwohnungsbau gegenüber dem Bau von Eigenheimen dominierte. Unsere 50jährige erfolgreiche Tätigkeit für die Wohnungsversorgung der Bevölkerung in Langenfeld wurde am 13. Juni 1969 im Jahnhaus besonders gewürdigt. Der Rückblick auf die frühen 50er Jahre war zugleich Ansporn für eine weitere, umfangreiche Wohnungsbautätigkeit in den Jahren 1966 bis 1979. Als größere Wohnanlagen wurden die Objekte Bogenstraße 52 bis 58 in 1968 und 60 bis 66 in 1970 fertiggestellt. Besonders aus dem Rahmen fiel das Haus Martinstraße 40, das mit 21 Mietwohnungen im Jahr 1979 bezugsfertig wurde. Das Jahr 1975 war für unsere Gemeinde und auch die Genossenschaft von besonderer Bedeutung durch die Auflösung des alten Rhein-Wupper-Kreises und die Neugliederung der Gemeinden im hiesigen Raum mit dem Zuschlag Langenfelds zum Kreis Mettmann.
Bei stagnierender Bautätigkeit wurden ab 1984 verstärkte Anstrengungen zur Modernisierung des Hausbesitzers unternommen. In den bisher ofenbeheizten Wohnungen wurden Gas-Zentralheizungen oder Gas-Einzelheizungen  installiert und parallel dazu wurden die bisher einfachverglasten Fenster mit Isolierglasscheiben ausgewechselt. Inzwischen sind 44 % der Wohnungen mit modernen Einzel- oder Zentralheizungen und 55% der Wohnungen mit neuen Fenstern ausgestattet. Trotz der knappen Fördermittel und der sich abzeichnenden Rezession auf dem Wohnungsmarkt stellte die Baugenossenschaft die Häuser Martinstraße 17 und 19 im Jahr 1984 und in einem 2. Bauabschnitt im Jahr 1990 die Objekte Martinstraße 21 und 23 mit je 16 Wohnungen bezugsfertig. Um auch Mitglieder ohne Wohnberechtigungsschein versorgen zu können, war ein Teil der Wohnungen erstmals freifinanziert worden. Die Jahre 1988 und 1989 waren für die Wohnungswirtschaft ereignisreiche Jahre mit weitreichender Bedeutung. Vom Gesetzgeber wurde das seit dem Jahr 1932 bestehende Gemeinnützigkeitsgesetz für Wohnungsunternehmen aufgehoben. Der Bauverein war im Juli 1932 durch den Regierungspräsidenten als Gemeinnütziges Wohnungsunternehmen anerkannt worden. Durch Aufhebung des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes waren alle Wohnungsunternehmen gezwungen, in die volle Steuerplicht einzutreten. Für den Bauverein bestand jedoch die Möglichkeit, eine reine Vermietungsgenossenschaft zu bleiben.
Zur Vermeidung einer Steuerpflicht war der Geschäftsbereich der Vermietungsgenossenschaft auf das reine Vermietungsgeschäft als auch die Errichtung eigener Mietwohnungen zu beschränken. Darum beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat, zur Durchführung der nicht steuerbefreiten Geschäfte im Bereich der Wohnungswirtschaft eine eigenständige GmbH zu gründen. Trotz der damit verbundenen Erschwernisse war klar, dass Vorstand als auch Aufsichtsrat sich weiterhin mit Engagement wohnungswirtschaftlichen Aufgaben zu widmen gedachten.

Mit der Gründung der B.L. Bauträger,- Baubetreuer- und Verwaltungsgesellschaft mbH mit dem Zweck, Kaufeigenheime, Eigentumswohnungen, gewerbliche Betriebe und Einrichtungen zu erstellen oder zu verwalten, wurde Anfang der 90er Jahre ein wichtiger Schritt getan. Der B.L. Bauträger-GmbH wurde ein Bestand von rund 20.000 qm zur Errichtung von Eigenheimen übertragen. Erste bebaute Liegenschaft der B.L. Bauträger-GmbH ist das ehemalige Lebensmittelgeschäft Martinstraße 45 A.

Die B.L. wurde schon im Jahr 1991 mit der Errichtung eines Vier-Gruppen-Kindergartens für die Stadt an der Grundschule Gieslenberger Straße beauftragt. Gleichzeitig errichtete die B.L. 10 Reiheneigenheime am Friedrich-Kreusch-Weg  und begann im April 1994 mit der Errichtung von je 21 Mietwohnungen an der Opladener sowie Gieslenberger Straße.
Der Bauverein hatte seine Eigentumsmaßnahmen bis spätestens 1989 abzuschließen. Dementsprechend wurden Am alten Gaswerk 20 Kaufeigenheime 1989 erstellt und bis zum 31. Dezember 1989 restlos bezogen. Wegen des Neubaus der Feuerwache In den Griesen hatte die Baugenossenschaft ein Grundstück mit der Stadt Langenfeld zu tauschen.
Der Pächter des Jahnhauses ging 1981 in den Ruhestand. Um die Fortsetzung des Gaststättenbetriebes für die nächsten Jahre sicherzustellen, wurde das Jahnhaus auf dem Wege des Erbbaurechts an die Frankenheim-Brauerei Düsseldorf übertragen.
Zur Abrundung des Grundbesitzes erwarb der Vorstand im Jahr 1992 das Grundstück Richrather Straße 88-92. Damit befinden sich alle Grundstücke zwischen Richrather Straße, Jahnstraße, Querstraße und In den Griesen im Eigentum des Bauvereins. Das erworbene Grundstück soll mittelfristig einer Neubebauung zugeführt werden.
Am 31.07.1992 trat der bisherige langjährige Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Gerd Emons, nach mehr als 20jähriger Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Zum Nachfolger als Geschäftsführer wurde Hubertus Dedeck angestellt.

Im Rahmen eines städtebaulichen Gutachterverfahrens wurden die Grundstücke zwischen der Jahnstraße, Richrather Straße, Paulstraße und Steinrausch auf ihre Bebauungsmöglichkeiten hin überprüft. Nach dem Gutachten besteht die Möglichkeit, auf den vorgenannten Grundstücken ca. 300-330 Mietwohnungen zu errichten. Auf den freien Grundstücken wurde diese Idee sofort in einem 1. Bauabschnitt mit der Errichtung von 41 Mietwohnungen samt Tiefgarage umgesetzt. Diese Wohnungen werden noch im Jahr 1994 fertiggestellt. Insbesondere wurden in diesem Bauvorhaben 3 Wohnungen für Behinderte sowie 6 Wohnungen für kinderreiche Familien durch das Land NRW zusätzlich gefördert.
Überwiegend sind es nüchterne Fakten über unsere erfolgreiche Bautätigkeit und sorgsame Hausbewirtschaftung. Kaum deutlich werden konnten dabei die sozialen Aspekte unserer Wohnungsbauleistung bei der Beseitigung von wohnungsnotständen in den Vor- und Nachkriegsjahren bis hin zur bedarfsgerechten Wohnungsversorgung jüngerer und älterer Mitglieder in den heutigen Tagen.
Wer kennt die unzähligen menschlichen Begegnungen zwischen unseren Mitarbeitern und unseren Mitgliedern oder Wohnungsbewerbern, wenn es um die Bearbeitung von Vermietungsvorgängen, um Mietzahlungsberatung bei Zahlungsschwierigkeiten oder um die Erledigung von Reparaturarbeiten ging?
Im Jubiläumsjahr 1994 sind neben dem Geschäftsführer sechs Angestellte mit viel gutem Willen im Einsatz. Die langjährigen Nutzungsverhältnisse bestärken uns in der Annahme, dass dieser Einsatz von unseren Mitgliedern anerkannt wird.
Unsere Gesprächspartner, Förderern und Freunden danken wir für die gute Zusammenarbeit.
Die Organe unserer Genossenschaft hoffen zuversichtlich, dass die positive Einstellung aller Beteiligten zum Wirken unserer Gesellschaft erhalten bleibt.
Bei allen Problemen, die vor uns liegen, und trotz erschwerter Rahmenbedingungen sehen wir optimistisch in die Zukunft. Dabei wird oberstes Ziel unserer Geschäftspolitik bleiben, zum Wohle unserer Mitglieder zu arbeiten und für sie da zu sein.       

Hubertus Dedeck